2011: 17/9 1/12 2012: 27/4

Dollaro


27. April 2012:

Als ich die Dollaro in meiner Werkstatt hatte, den Aufbau näher studierte und nicht zuletzt angefangen habe an ihr zu schrauben, musste ich Informationen über die kleine Morini finden. Die gewöhnlichen Quellen und Morini-Experten waren keine große Hilfe. Es war, als ob die Morini-Welt alles über das seltene Modell bewusst vergessen hatte. Vielleicht wegen des "banalen" Aussehens und nicht zuletzt weil es ein Zweitakter ist - was für viele Allergien hervorrufen kann. Es scheint so, als ob eine Morini nur als richtig betrachtet wird wenn es ein Viertakter ist und das ungeachtet, dass Morinis erstes Motorrad ein Zweitakter war.

Als ich die Kleine das erste Mal gestartet habe, was abgesehen von einer gerissener Kette schmerzfrei verlief - was man ja von einer Morini erwartet - wurde klar, dass der Varioriemen bald gewechselt werden musste. Selbstverständlich habe ich die Suche nach einem angefangen.

Die Experten wurden also gefragt und die meisten hatten die Vorstellung, dass der Motor wahrscheinlich von Franco Morini war. Jedenfalls waren die meisten überzeugt, dass es keine Eigenproduktion wäre.

NLM in England hatten vorher eine zum Verkauf - die habe ich auch gefragt und sie meinten, dass es der gleiche Motor wäre, den einige Batavus-Modelle auch hatten. Das Internet wurde durchsucht, aber als ich die Details prüfte, gab es keinen Motor, der dem der Dollaro ähnelte. Keiner hatte die gleiche kantige Zylinderform und das Motorgehäuse sah keinem anderen Motor ähnlich. Mehr und mehr war ich der Überzeugung, dass der Motor tatsächlich eine "richtige" Morini-Konstruktion war.



Ich habe angefangen den Motor näher zu prüfen Er ist eigentlich schön gelaufen, aber irgendwas war falsch am Vario. Als ihn zerlegt habe, hat es sich tatsächlich gezeigt, dass er einen ernsthaften Defekt hatte. Wieder wurde nach Ersatzteilen gesucht, und da ich ja vergebens die gewöhnlichen Quellen abgesucht hatte, habe ich eine Nachfrage auf der Facebookseite des italienischen Moriniklubs gemacht. Kurz danach hat Giuliano Colzani (bekannter italienischer Morinista) geantwortet, dass ich mal eine Mail an "Alessandro" schreiben kännte. Es hat sich herausgestellt, dass dieser Alessandro, Cesare Luzzis Sohn ist. Er hat von seinem Vater einige Dollaro-Teile geerbt. Jedenfalls konnte ich bekommen was ich brauchte, um den Vario zu reparieren. Am Ende habe ich jedoch (selbstverständlich) ein kleines Angebotspaket mit Teilen von Alessandro zusammengestellt gekauft.



Der Vario ist so konstruiert, dass vier Stahlkugeln ausgeschleudert werden und an der konkaven Hinterseite einer der Riemenscheiben laufen. Dabei werden die Scheiben zu einander gedrückt, wobei der Riemen auf einem größeren Durchmesser läuft. Wie man am Foto sieht, haben die Kugeln sich irgendwie festgeklemmt, wurden heiß und haben sich in der Nylonscheibe festgebrannt.
Da ich ja neue Teile von Alessandro bekommen habe, habe ich den Vario komplett gewechselt.


Das Paket von Alessandro


Weil ich nun am Motor arbeitete, habe ich ihn kritisch kontrolliert und ein bisschen zu viel Spiel am Hauptlager gefunden. Der Motor wurde also zerlegt. Beim Schrauben hatte ich ein deutliches Gefühl, dass es "richtige" Morini-Teile waren. Obwohl der Motor keine von den typischen Morini-Rippen hat und auch sonst unmittelbar keine Verwandtschaft enthüllt, hatte ich dennoch das Gefühl, dass Gehäuse, Zahnräder und Lager aus dem Werk kamen. Die große Überraschung, die mein Gefühl als richtig bestätigte, kam als ich die Pleuelstange sah. In der ist nämlich ein "Moto Morini" eingegossen. Ich bin also jetzt überzeugt, dass der Motor von Moto Morini konstruiert ist. Ob Lambertini ihn konstruiert hat, werde ich mal fragen, wenn ich ihn hoffentlich in Morano Anfang Juni treffe.

Das Hauptlager war nicht besonders gut. Da es sich um ein Standard-Lager handelte, war es glücklicher Weise einfach zu bekommen. Alle anderen Lager, sogar das Nadellager am Kolbenbolzen waren gut, also gab es nichts mehr was gemacht werden musste. Ja, es gibt nicht besonders viel in so einem kleinen Motor, also gibt es auch wenig, das gewechselt werden kann ;o)


Die Hinterradlager waren schlecht. Es sind einstellbare Lager mit losen Kugeln, so wie man sie auch von Fahrrädern kennt. Es war deutlich, dass sie länger mit zu viel Lagerspiel gelaufen sind. Neue Kugeln mussten her und die Lagerschalen wurden poliert.

Das war's eigentlich, was mit dem schönen kleinen Ding gemacht werden musste. Leider habe ich aber noch keinen Varioriemen auftreiben können. Das Profil gibt es zu haben, aber ich habe keinen Produzenten gefunden, der eine so kurze Ausführung macht, wie die Dollaro braucht. Ich muss also weiter suchen. Der alte Riemen hat zwar noch einige km in sich, aber er wird nicht ewig halten.
© Søren Høyer Hansen Willkommen sir1@morinist.dk