Das Log 2009:
21. November 2009
Hiermit eine Fortsetzung des Dramas.
Wie ich im Bericht vom
Treffen schrieb, hatte Dornröschen angefangen Öl am hinteren Zylinder
zu schlucken. Da mir nur 14 Tage zu meiner Abreise nach Italien
blieben, musste ich einfach das Problem lösen.
Die unmittelbare Diagnose war ja: schlappe Ölabstreifer, eventuell in
Verbindung mit oval-verschlissenen Zylindern.
Die
Kolben waren scheinbar in Ordnung, also suchte ich das Problem an den
Zylindern. Eine Messung zeigte ganz richtig Verschleiß, aber nichts
Verheerendes, also habe ich probeweise die Ölabstreifer gewechselt –
Ich hatte glücklicherweise ein paar rumliegen die anscheinend Maß
hielten. Nach einigen Probefahrten konnte ich konstatieren, dass das
keine Abhilfe war.
Vor einiger Zeit hatte ich ein paar Zylinder in
Ebay ersteigert. Sie waren billig und eigentlich nicht besonders schön.
Sie hatten ein wenig Verfärbung an den Bohrungen, aber beim näheren
Ansehen war es nicht so schlimm. Jedenfalls waren sie wesentlich runder
als die an Dornröschen. Sie wurden gereinigt, gehont und montiert.
Danach bin ich so um die 500 km gefahren und das Problem schien gelöst
zu sein.
Dann
wurde es Zeit für meine Abreise. Erster Stopp war Hamburg. Ich hatte
die ganze Zeit ein wachsames Auge auf das, was hinten passierte, aber
alles schien in Ordnung zu sein.
Als ich aber ein paar hundert km
gefahren bin und an einer Ampel hielt, kam ein bisschen Qualm von
hinten – „nee, ist vom Dieselauto hinter mir“, versuchte ich mich
selbst zu überzeugen. Da das gleiche Szenario sich aber mehrmals
wiederholte war mir klar, dass das Problem immer noch da war.
Als
ich an meinem ersten Zielort bei Stefan Bigalke ankam, wurde Öl
nachgegossen. Ein halber Liter für die knapp 400 km. Schon recht viel,
aber es könnte ja schlimmer werden. Am nächsten Tag ging es zur zweiten
Reisestation: Remscheid zu Iris und Hartmut 400 km weiter.
Ich
hatte eine vage Hoffnung, dass ich hier eine Lösung für das Problem
finden würde. Mit Glück könnte es sein, dass Hartmut ein paar Kolben
hätte, womit wir Dornröschen ausstatten könnten.
Und das war
auch der Fall – in seinem Ersatzteilkasten fand er ein paar gebrauchte,
aber relativ gut aussehende Sport-Kolben, die dann montiert wurden.
Und
sofort habe ich einen großen Unterschied gespürt: Kompression wie noch
nie erlebt, und das Ölschlucken war völlig verschwunden.
Danach
konnte ich erleichtert die Reise fortsetzen – ohne Probleme? Nee, nicht
ganz – aber nur Kleinigkeiten. Aber mehr darüber in einem zukünftigen
Reisebericht.
Die anderen Kolben, die ja sonst so schön
aussahen, habe ich noch. Es ist mir immer noch ein Rätsel, weshalb sie
diese Probleme hervorgerufen hatten. Meine Meinung: In der Nut wo der
Ölabstreifer sitzt sind Löcher gebohrt, die für den Rückverlauf des Öls
sorgen. Diese Löcher sind sehr hoch am Rande der Nut gebohrt. Deshalb
vermute ich, dass das Öl über dem Abstreifer in den Brennraum dringen
kann.
Das ist einfach die einzige Erklärung die ich mir denken kann weil, wie
gesagt, die Kolben fast wie neu aussehen.
So, jetzt aber was aus der Gegenwart.
Heute
war das Wetter das erste Mal in einem Monat schön. Sonst hatten wir
fast kontinuierlich Regen. Wahrhaftig bin ich nur wenig gefahren in
dieser Zeit, aber heute musste ich einfach mit Dornröschen aus!
Gestern
habe ich eine neue Hose bekommen – „nur“ 10 Monate nach dem Unfall. Die
vom Unfall, habe ich seither benutzt. Ich konnte einfach keine finden
die ich haben wollte, also wurde sie mit Gaffa-Tape versehen um die
größten Löcher abzudecken.
Die Hose die ich endlich gefunden habe,
ist von Richa, und zwar ein besonderes Modell: Camargue, das vom
dänischen Importeur nicht importiert wird :(
Ich
habe deshalb einen belgischen Morini-Fahrer, Raymond Hamaker,
gebeten, die Hose für mich zu kaufen und zu senden. Richa ist nämlich
belgisch.
Ich
bin sehr begeistert von der Qualität deren Produkte. Deshalb wollte ich
diese Marke und selbstverständlich auch weil meine Jacke von Richa ist.
Es ist übrigens die einzige Leder-Jacke, die ich gesehen habe, die 100%
wasserdicht ist.
Leider habe ich keine wasserdichten Leder-Hosen auf dem Markt gesehen,
deshalb habe ich diese Textil-Hose gewählt.
Die
Hose hatte also heute ihre Jungfernfahrt. Sie ist wie gehofft sehr
schön gemacht und außerordentlich komfortabel. Ich bin mir sicher, dass
sie mir Freude bringen wird. Während der Fahrt habe ich
oft dankbar an Raymond gedacht – es ist fantastisch was sich
machen lässt,
in so eine internationalen Morini-Gemeinde!

Dornröschen
hat heute eine schöne Zahl ”gerundet”, davon musste ich ein Foto haben.
In Italien hatte ich ein Vorhaben vergessen, nämlich eine Aufnahme bei
80.000 km zu machen. Deshalb diese Revanche ;o)
Mit
der neuen Morini bin ich sehr zufrieden. Sie lässt sich schön fahren
und abgesehen von den außergewöhnlichen Problemen am Anfang war sie
sehr zuverlässig bei den ungefähr 16.000 km, die ich gefahren habe.

Naja,
ein Mal hat sie mich im Stich gelassen. Vor einigen Monaten hat sie
plötzlich angefangen zu spucken und schließlich ist sie ausgegangen,
als ob der Tank leer war. Sprit war aber reichlich da, und nach
systematischem Suchen fiel mein Verdacht auf die Zündung. Nach der
Spazierfahrt nach Hause (es ist 5 km von Zuhause passiert) und dem
Abholen auf dem Hänger konnte ich tatsächlich konstatieren, dass die
Zündspule lose auf dem Anker saß. Sie war los geschüttelt und das
Massekabel wurde dabei durchtrennt.
Eine einfache Reparatur, und sie war wieder fahrbereit. Aber sonst
läuft sie unproblematisch. Schöner Apparat!